
In einer norditalienischen Stadt kommt es aufgrund eines harmlosen Verkehrsunfalls zur Begegnung zwischen Elena (Licia Maglietta), einer wohlhabenden Chemikerin, und der greisen Anita (Mira Sardoc). Eine Begegnung, die Elenas Leben völlig aus dem Gleichgewicht bringt. Sie fühlt sich in hohem Masse für die schrullige Frau verantwortlich. Als diese unvermittelt stirbt, macht sich Elena auf die Suche nach möglichen Verwandten. Eine vage Spur führt sie nach Süditalien, wo sie auf Maria (Valeria Golino) und deren Tochter Teresa (Angela Marraffa) trifft. Die beiden leben in ärmlichen Verhältnissen, in einem Blockhaus an der Peripherie einer Grossstadt. Das Treffen ist kurz, denn Maria verweigert ein Gespräch mit der Norditalienerin.
Angesichts der ernsten Nord-Süd Problematik bedient sich der Film hier zu simpler Bilder: Elena, die reiche Frau aus dem Norden, kommt durch Zufall mit der Armut des Südens in Berührung und schämt sich für ihren Wohlstand. Indes verkörpert Maria den Prototyp der armen Süditalienerin. Um das Ueberleben der Familie einigermassen sicherstellen zu können, arbeitet sie Tag und Nacht im Supermarkt. Zu Hause muss sie auch noch ihren seelisch kranken Mann bedienen, in ständiger Angst, geschlagen zu werden. Während Elena mit dem Gefühl, in ihrer Lebensaufgabe gescheitert zu sein, in den Norden zurückfährt, erzählt der Film nun Marias Geschichte.
Dabei wird etwas unbeholfen die Seelenverwandtschaft zwischen den Frauen aufgezeigt: Maria vollführt Gesten und Gedankengänge, die mit denen Elenas absolut identisch sind. Derweil durchlebt die kleine Teresa gerade eine Leidenschaft für chemische Experimente. Dieser «magische Faden» bringt die Frauen schliesslich ein zweites Mal zusammen. Die Erklärung des Filmtitels wird einem kurz darauf ziemlich zusammenhangslos vorgeworfen. «Le Acrobate» (Seiltänzerinnen) sind drei antike griechische Terracotta-Statuen, die die Frauen zusammen in einem Museum besichtigen. Regisseur Silvio Soldini entdeckte die Statuetten während dem Drehbuchschreiben zufällig und setzte sie kurzerhand als Symbol für die Protagonistinnen - drei Frauen in einem unsicheren Gleichgewicht - ein. Schliesslich wirkt es denn auch so, als seien sie einzig um der guten Idee Willen in letzter Sekunde noch in den Film eingepflanzt worden.
| Titel: | Acrobate, Le (1997) | |
| Land: | ||
| Genre: | Drama | |
| Bewertung: | ||
| Regie: | Soldini, Silvio | |
| Drehbuch: | Bosio, Laura Leondeff, Doriana Soldini, Silvio | |
| Kamera: | Bigazzi, Luca | |
| Schnitt: | Cormio, Claudio | |
| Musik: | Venosta, Giovanni | |
| Ausstattung: | Rossetti, Mario | |
| Besetzung: | Bentivoglio, Fabrizio Consagra, Maria Gammarota, Manrico Golino, Valeria Maglietta, Licia Marraffa, Angela Saponangelo, Teresa Sardoc, Mira Andrea, Vitalba Citran, Roberto Gamba, Bonaventura Gessner, Sonia Maragno, Nicoletta | |
| Länge: | 123 Minuten | |
| Negativ: | 35 mm | |
| Bild: | 35 mm (Farbe) | |
| Ton: | Dolby SR-D | |
| Prod.-firma: | Vega Film | |
| CH Verleih: |
Filmcooperative Zürich |