Unsere Reporter trafen Martin Walz am Tag nach der Welturaufführung des Films in Zürich.
CineNet: Herr Walz, Sie waren gestern an der Premiere Ihres Films am „Open Air Kino am See“. Wie war’s?
Martin Walz: Es war sehr nass, aber die Leute sind geblieben, bis zum bitteren Ende (lacht).
Es ist wirklich hart, weil man hat dann so Regenmützen auf und dann plätschert es immer und
dann hört man nur die Hälfte weil man in so einem akustischen Sack ist mit dieser
Regenmütze, aber ist ein schönes Kino, ich meine, wenn es nicht regnet, muss das sehr schön
sein.
C: Die Dialoge hat man trotzdem noch verstanden?
W: Ich denke schon, ich kannte sie ja (lacht).
C: Und wie waren die Reaktionen der Zuschauer?
W: Ich hab ein paar Sachen gehört, es war alles sehr gut.
C: „Kondom des Grauens“ ist Ihr zweites Filmprojekt als Regisseur. Wie kamen Sie dazu?
W: Ich kenne Ralf König schon länger und wir hatten vor ein paar Jahren mal die Idee, dass das eigentlich einen guten Filmstoff hergibt. Das war vor dem „Bewegten Mann“, und da haben wir keine Chancen gesehen, dass uns da irgend jemand Geld für gibt. Naja, nach dem „bewegten Mann“ hat sich die Situation ein bisschen geändert und dann haben wir es einfach nochmals probiert. Allerdings haben wir wirklich nur einen gefunden, nämlich Herrn Dietrich, ansonsten hätte sich das keiner getraut. Er war sofort Feuer und Flamme. Er kannte die Puppenshow oder irgend jemand in seinem Büro kannte die Puppenshow also er wusste, was das ist. Irgendwie war das einfach ein gutes Timing, weil sie, glaub ich, gerne einen deutschen Film machen wollten oder sie waren soweit, dass sie sagen konnten, wir wollen wieder etwas Grösseres produzieren und dann kann das...
C: Kannten Sie denn vorher das Oeuvre von Erwin C. Dietrich? Jörg Buttgereit hat ihn ja im Buch zum Film als „Trash-Papst“ bezeichnet.
W: Jaja, Roger Corman Europas oder des deutschsprachigen Raums. Jörg hat mir das dann alles nach und nach berichtet, also ich wusste da am Anfang gar nichts von dem. Herr Dietrich hat auch wilde Geschichten erzählt, wie sie das damals gemacht haben, zum Beispiel, dass sie ganz viele Filme ohne Ton gemacht haben und dann haben sie die geschnitten, und da hatte er
eine Angestellte gehabt, der hat er dann die Geschichte erzählt. Es war so ein bisschen pornographisch, also keine besonders komplizierte Geschichte. Dann hat sie sich einfach die Mundbewegungen angeguckt und die Dialoge dazu geschrieben. Dann sind sie ein, zwei Tage ins Synchronstudio gekommen und haben den Film "dialogisiert". Das war ein ganz anderer Ansatz (lacht).
C: Haben Sie denn damals aktiv nach einem Produzenten gesucht?
W: Es gab einen österreichischen Produzenten in Berlin, dem ich das zuerst gezeigt habe, der hat in die ganze Welt gefaxt, dass wir in sechs Monaten drehen und wer noch mitmachen will, kann noch mitmachen. Da stimmte kein Wort dran (lacht). Wir hatten eigentlich nur dieses Fax, sonst gar nichts, nicht einmal die Rechte am Buch. Daraufhin hat Herr Dietrich sich gemeldet und war interessiert. Und dann gab es ein Treffen und gleich das erste Mal als wir ihn getroffen haben, sagte er: „Wir sehen uns dann beim Drehen, ich nehme dann meinen Hund mit“.
C: Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Ralf König. Sie haben ja das Drehbuch mit ihm zusammen geschrieben? Was waren die Schwierigkeiten?
W: Da war ich ja noch als Autor unterwegs, da war’s nicht so kompliziert, da ging es vor
allem darum, die beiden Comics miteinander zu verbinden und aus Comicfiguren echte
Menschen zu machen: Wie weit muss man das zurücknehmen, damit echte Schauspieler die
Texte sagen können, wieviele Schwänze muss man rausnehmen, damit es überhaupt noch
jemand sehen will.
Und die Arbeit war sehr angenehm. Er hat hauptsächlich geschrieben und
ich hab gemeckert, also es war ein Traum von Drehbuchschreiben. Ich hab mich eigentlich
hauptsächlich um die Dramaturgie gekümmert, ich hab immer umgestellt und umgebaut und
ihm dann ganz konkret gesagt, jetzt bräuchten wir eine Szene, wo die Figur da hin kommt und
am Schluss muss das und das passieren. Er hat sich hingesetzt und was ganz anderes
geschrieben. Es war wunderbar.
C: Der Film besteht ja eigentlich aus zwei in sich abgeschlossenen Teilen. Im Original der zweiten Geschichte wurde das Kondom durch ein männerfressendes Monster ersetzt. Wieso haben Sie für den Film auf dieses Monster verzichtet?
W: Das schien ein bisschen kompliziert, zwei Monster zu nehmen, es heisst ja nun „Kondom des Grauens“ also dachte ich, bleiben wir dabei. Und es war auch das attraktivere Monster, das zweite fand ich immer sehr kompliziert, also auch im Comic dachte ich immer schon, das ist eine etwas eigenartige Geschichte mit diesen Gerippen, die da ausgespuckt werden.
C: Das wäre aber bestimmt eine Herausforderung für H.R. Giger gewesen...
W: Allerdings! Auch für Jörg Buttgereit wär’s eine Herausforderung gewesen.
C: H. R. Giger war „Creative Consultant“ bei Ihrem Film. Was war eigentlich seine Aufgabe?
W: Das ist eine gute Frage. Naja, er hat beim Horrorlabor verschiedene Sachen designed, wobei die Fantasien von Herrn Giger sehr komplex sind und man kann sich da deswegen schwer bedienen, was wir so alles gemacht haben. Es gibt zum Beispiel im Horrorlabor so eine Kondom-Trainiermaschine, ich weiss nicht, ob man die versteht, wenn man nicht weiss, was das ist. Wir haben sie wirklich mehrmals gezeigt und man sieht sie ziemlich deutlich, also man kann drauf kommen, aber ich hab schon von Leuten gehört „das ist ja ganz nett, wie die da hüpfen, aber was soll das alles?“. Also er hat sehr komplexe Theorien entwickelt zu dem Ganzen.
C: Jörg Buttgereit hat also die Hauptarbeit bei den Spezialeffekten gemacht?
W: Jaja, es gab auch ganz derbe Ueberraschungen, also ich hab zum Beispiel bei diesem Riesenkondom was bestellt, was eigentlich abgesprochen war und einen Tag vor dem Drehen hab ich gesehen dass es einfach nicht gemacht worden ist, weil es Herr Giger nicht gut fand (lacht). Aber so ist das eben, man macht das ja alles nicht alleine.
C: War es eigentlich schwierig, so viele talentierte Leute, die bei dem Film mitgewirkt haben, unter einen Hut zu bringen?
W: Das war sehr angenehm, das ist sowieso das Optimale, dass man ganz viele Leute holt und die machen lässt und immer so bisschen querlinkt. Also mit Jörg (Buttgereit, Anm. der Red.), das war Spitze, den kenn’ ich halt schon seit Jahren und das hat sich angeboten, weil wir haben am Anfang auch mit Computerfirmen geredet und das war ziemlich absurd, was da in Deutschland so rumrennt.
Die haben uns da Videos gezeigt von fliegenden Raumschiffen und so, was sie alles können. Da dachte ich, wir brauchen etwas mit Blut und Organik und so und da war der Schritt zu Jörg dann nicht mehr so weit. Bei den Schauspielern ist es so, dass ich eine ganze Menge kannte, mit vielen schon lange arbeiten will. Mit Peter (Lohmeyer, Anm. der Red.) zum Beispiel, dem hab ich das dritte Mal was angeboten und das war das erste Mal, dass er was angenommen hat, oder dass ich auch das Geld zusammen hatte. Mit ihnen ist es sehr angenehm, man kann sie einfach machen lassen und zugucken.
C: Sie sind ja selber auch Schauspieler, sie haben z.B. in „Das Boot ist voll“ mitgespielt. Hat Ihnen diese Erfahrung bei den Dreharbeiten genutzt?
W: Man weiss, wie schwer das ist, dafür hilft es schon sehr viel. Schauspieler ist ein sehr komplizierter Beruf und man ist sehr verletzlich.
C: Haben Sie vorher mit den Schauspielern geprobt, wie es z.B. Coppola macht?
W: Ich hab mit Peter Lohmeyer, Udo Samel, Marc Richter und Leonard Lansink während drei Tagen gelesen. Also Gehproben und Lesen, so in einem kleinem Raum. Das war’s.
C: Gegenüber dem Comic haben Sie ja zahlreiche Szenen „entschärft“. War das wegen der Zensur? War das schwierig, zu entscheiden, wo nun die Linie gezogen werden soll?
W: Es gibt ein paar Schwänze, die hätte ich noch gezeigt, da hat der Herr Dietrich dann
gesagt, das geht zu weit. Sie haben mir jetzt allerdings gesagt, dass es einen Director's Cut
geben wird, ab Achtzehn, wo ich die ganzen Schweinereien wieder hinein nehmen kann.
Es gab auch Sachen, die hat der Jörg eigenständig gemacht, z.B. wenn der
Präsidentschaftskandidat seinen Schwanz in der Badewanne verliert, dann stand im Drehbuch
„das Kondom springt raus, ... ,das Kondom grinst“, da sagte der Jörg „wie kann das grinsen,
wenn es einen Schwanz gefressen hat oder einen Schwanz drin hat“, also hat er ganz logisch
gedreht, wie das Kondom den Schwanz ausspuckt, was eine ziemliche Sauerei ist. Das hatten
wir auch drin, das stand aber gar nicht im Drehbuch, also das hat der Jörg einfach gemacht.
Beim Drehbuch selber, also was die ganzen Sexszenen angeht, das ist uns nicht so
schwergefallen, weil ich glaube man will das auch gar nicht sehen im Kino mit echten
Schauspielern. Im Comic gibt es ja ganze Szenen, die handeln davon, wie kriegt Mackeroni
seinen Schwanz in Billys Arsch, also drei Seiten lang oder so, wie kriegt er dieses Riesending
da rein, das ist dann halt Porno, das ist halt einfach was anderes.
C: Wen sehen Sie als Zielpublikum Ihres Films?
W: Alex (Honisch, Anm. Der Redaktion) und ich haben gestern gesagt, Frauen und Minderheiten. Wir hatten das Gefühl, dass Frauen mehr damit anfangen können. Es ist ganz eigenartig, aber es hat schon mit Kastrationsangst zu tun. Wenn es um ein Massenpublikum geht, kann man nicht darauf bauen, dass wir nun alle Zuschauer kriegen, die sich sonst Schwarzenegger anschauen. Ich denke aber, dafür dass sich die Frauen Schwarzenegger anschauen müssen mit ihren Männern, werden sich die Männer dann hoffentlich mit ihren Frauen „Kondom des Grauens“ angucken müssen.
C: Gegenüber dem Rohschnitt, den ich vor einigen Wochen gesehen habe, wurde der Film ja vor allem im zweiten Teil recht stark gekürzt. Ging das von Ihnen aus oder doch mehr vom Produzenten?
W: Ja, das war so halbe halbe. Also die haben mal angefangen, so ein bisschen zu schneiden und dann hab ich mir irgendwann den Film genommen und selber nochmals geschnitten. Es gibt ein paar Sachen, da bin ich nicht so glücklich drüber gewesen, aber die grösseren Schnitte waren jetzt eigentlich von mir. Es sind ja so ganze Sequenzen rausgeflogen und die hab ich dann rausgeschmissen. Es gab Kleinkram, wo ich nicht so Einfluss drauf hatte. Ich hab gestern bei der Vorführung gemerkt, dass sich das ganze Publikum in die kroatische Putzfrau, die mit
der Nase, verknallt hat und zwar vom ersten Auftritt an. Und das war immer so meine Hoffnung, weil der zweite Teil ist ja sehr viel ernster und ich hab sie im zweiten Teil immer wieder mal kasperln lassen und sie hat so ein bisschen die Schwere aus dem zweiten Teil genommen. Aber mir wurde immer gesagt, die geht doch allen auf den Senkel, die ist hysterisch und die nervt einfach alle. Gestern hab ich gemerkt, dass das einfach nicht der Fall ist. Da werde ich beim Director's Cut ein paar Sachen wieder rein nehmen.
C: Wie kamen Sie eigentlich dazu, Regisseur zu werden? Haben Sie eine Ausbildung gemacht?
W: Nee, nicht so richtig. Ich habe eigentlich als Schauspieler angefangen und eben sehr gut mit „Das Boot ist voll“ und dann wurde es immer schlimmer über die Jahre. Dann kam dann die „Rote Erde“ und dann wurde es immer trauriger. Ich wollte auch als Schauspieler immer nur Film machen und da hab ich gedacht, bevor ich mich für irgendwelchen Müll prostituiere, probier ich lieber selber, was Besseres zu machen. Und dann machte ich fünf Wochen Crash- Kurs in New York und dann Regieassistenz.
C: Wie sind sie denn ganz allgemein zum Film gekommen. Hat Sie das schon immer interessiert?
W: Ich bin am Theater aufgewachsen, an der Schaubühne in Berlin und ich geh einfach sehr
gern ins Kino. Als Teenie bin ich zwar gar nicht so viel ins Kino gegangen. Dann hab ich
irgendwann „Shining“ gesehen, mit Sechzehn, glaub ich. Das war ganz eigenartig, weil ich
hab „Shining“ gesehen und fand den Film prima. Ein paar Tage später bin ich wieder ins Kino
gegangen.
Ich sass in irgendsoeiner Kleinstadt in einem Raucher-Kino, hab gekifft und wollte
mir „Blues Brothers“ angucken. Ich sass da völlig stoned und da kam der Trailer von
„Shining“, ich weiss nicht, ob du den kennst, das ist wirklich nur eine Einstellung mit dem
Fahrstuhl, das Blut bricht da raus, die Sessel kommen auf dich zu und dazu läuft diese Bartok-
Musik. Da sass ich mit offenem Mund und dachte, boah, das ist Kino! Da hab ich probiert, die
anderen zu überreden, lasst uns Blues Brothers vergessen und lasst uns nochmals „Shining“
gucken, die wollten alle nicht. Also haben wir uns „Blues Brothers“ angeguckt und dann hab
ich irgendwie den Unterschied verstanden, was Kino ist und was einfach so Film-
Unterhaltung ist. "Blues Brothers" war einfach eine ganz andere Welt als "Shining".
C: Welche Regisseure sehen Sie als Ihre Vorbilder an?
W: Weisst du, es gibt einfach Sachen, die ich gerne gucke, wie Hitchcock, Kurosawa, Copoola, ich bin ein totaler Coppola-Fan, also auch seine schlechtesten Filme. Zum Beispiel "The Cotton Club", was völlig daneben ist, find auch immer noch grandios, weil da einfach filmisch so tolle Sachen drin sind. Bunuel, die Sachen, die er in Mexiko gemacht hat. Dann ein paar Komödien-Autoren, also Preston Sturges schätz ich sehr.
C: Was halten Sie von den ganzen B-Movie-Regisseuren?
W: Ich bin nicht so ein B-Movie Fan, das merkt man auch am „Kondom“, weil es ist ja nie so richtig Camp geworden. Es gibt so ein paar Camp-Ansätze, aber das ist nicht so richtig mein Ding...
C: ...wobei ja die ganze Thematik des „Kondoms“ aus lauter B-Movie-Klischees besteht...
W: Total, ein Klischee jagt das andere. Wir haben auch probiert, jedes mögliche Klischee, das uns noch irgendwie einfällt, da unterzubringen und trotzdem sind B-Movie-Zitate, ist Camp was anderes, als was man in diesem Film sieht. Jörg steht unglaublich auf solche Sachen und ich hab ganz viele Freunde, die unglaublich auf B-Pictures und auf so Zeug stehen. Ich steh nun mal auf Coppola.
C: Haben Sie schon neue Projekte?
W: Ne, also ich hab vorher eine Liebesgeschichte schon angefangen gehabt, wo ich hoffe, dass ich die jetzt drehen kann im Herbst. Als Reaktion auf das „Kondom“ kam noch nichts, weil den hat ja noch niemand gesehen, aber ich denke sowieso, das ist inzwischen wie in Amerika hier. Es ist relativ egal, ob der Film jemandem gefällt oder nicht, Hauptsache er macht unglaublich viel Knete.
Selbst wenn ein Produzent den Film beschissen findet, wenn er dann 3 Millionen Zuschauer macht, wird er mich fragen, ob ich einen Film mit ihm mache. Es ist sehr absurd. Ich habe einen Berliner Produzenten getroffen, der hat mir ganz ehrlich gesagt: „unter einer Million Zuschauer werden wir mal sehen, ab einer Million bist Du interessant und ab drei Millionen können wir froh sein, wenn wir Dich erreichen“. Das hat wirklich nicht viel damit zu tun, ob der Film gut ist.
C: Der Film soll ja wie bei den amerikanischen Majors mit 500 Kopien gestartet werden?
W: Find ich gut, das hat ja „Werner“ gerade gezeigt, wie das geht, der hat ja in vier Tagen über eine Million Zuschauer gehabt. Ich glaube auch gar nicht, dass der deutsche Film soviel besser geworden, gut es gibt eine neue Generation, die machen leichte Stoffe. Das hat’s zwar früher auch schon gegeben, nur hat es niemand vermarktet.
C: Die Deutschen haben also das Marketing entdeckt?
W: Ja, erstens verleihen die Amis zum Teil, die haben entdeckt, dass man die Sachen auch verkaufen muss. Wenn die Amis für einen Film 100 Millionen ausgeben, dann geben sie einfach nochmals 50 Millionen aus, um das Ding an den Mann zu bringen. Das muss man heute wohl auch.
C: In der letzten Zeit ist ja ein richtige Welle von Filmen mit dem Thema Homosexualität festzustellen, nicht nur in Deutschland. Denken Sie, dass dieser Film zur Akzeptanz der Schwulen in unserer Gesellschaft etwas beitragen wird? Es werden ja vor allem Randfiguren gezeigt, die von Aussenstehenden eher belächelt werden, wie zum Beispiel Transvestiten und Lederschwule.
W: Ja, bis auf Mackeroni. Er hat ja sehr klassische Sätze. Ich hab gestern zwei Liebesbeziehungen mitgekriegt, die konnten die ganze Zeit Mackeroni zitieren. „Ich bin nicht sentimental“ oder sowas, „ich brauch keine Liebe, nicht mal Sex“, also es probieren eine ganze Menge Leute, sich mit diesen Lebensweisheiten durchs Leben zu schlagen und leben kann danach ja sowieso keiner. In Berlin gab es jetzt eine Kritik in der „Siegessäule“, das ist das Schwulenblatt in Berlin, die haben geschrieben, dass dies das erste mal sei, dass es einen Film gibt mit einem schwulen Hauptdarsteller und das einfach ganz normal ist. Also weder hat er ADIS, noch wird er von Skins verprügelt, noch macht er sich die ganze Zeit darüber Gedanken, ob Schwulsein nun gut oder böse ist. Er wird nicht über seine Sexualität definiert, sondern über seinen Job. Die Idee war immer, dass da ganz normale Hetero-Muttis drinsitzen können und am Schluss sagen „ach wie süss, jetzt sind sie zusammen“ und dann irgendwie nach zehn Minuten sagen „aber das sind ja zwei Männer eigentlich, aber das ist ja auch egal“. Das find ich entscheidend, wenn man nicht mehr merkt, dass es eine schwule Geschichte ist.
C: Der Film scheint die Kritiker in zwei Lager zu teilen und sehr stark zu polarisieren...
W: Bisher hab ich noch nichts Mittelmässiges gelesen, entweder sie fanden ihn Mega-
Scheisse oder gut bis sehr gut. Das Problem war auch, dass wir bei jeder Pressevorführung
eine andere Schnitt-Version gezeigt haben. Ich hab gehört, dass der "kritischste" Kritiker der
Schweiz, der vor dem sie am meisten Angst haben, gestern ein Radiointerview gegeben hat
und es ganz toll fand. Da hat der Herr Dietrich gesagt, jede Zeile könne man für die Werbung
gebrauchen. Hauptsache, sie schreiben darüber. Oder wie Hape Kerkeling gesagt hat, als er
geoutet wurde: „Hauptsache, das Foto ist gut“.
C: Herr Walz, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Martin Blatter, Fotos von Daniel Schneider.