Out of Sight (1998)
ES KANN NUR EINEN GEBEN.
von Serge Zehnder
Oder vielleicht auch zwei. James Ellroy und Elmore Leonard sind und bleiben die führenden Autoritäten der Crime-Literatur. Ellroy, der das dunkelste Schwarz der menschlichen Seele aufdeckt, ist die Personifizierung von Zynismus und eisiger Kälte. Leonard auf der anderen Seite, der seinen Erfolg ebenfalls dem Spinnen von verzwickten Gangstergeschichten verdankt staffiert seine Figuren mit etwas mehr Wärme aus, was sein Werk wesentlich verdaulicher macht. Gleichzeitig sind seine Romane auch wesentlich verfilmbarer, seine Geschichten aber nicht minder komplex. Etabliert sind sie beide, und wer sich einmal in ihr Universum hervorgewagt hat, kommt nur schwer wieder davon los. Leonard ist in dieser Hinsicht eine perfekte Einstiegsdroge. Seine Romane umfassen meistens nicht mehr als dreihundert Seiten und sind vollgepackt mit «low lifes», die soviel Charme besitzen, dass man sich über ihren Lebenswandel kaum Gedanken macht, ohne jedoch das, was sie tun, zu unterstützen. So bleibt Leonard, trotz seiner Faszination für die Verbrecherwelt, ein feinsinniger Moralist. Und Jake Foley, der mit spitzbübischer Gerissenheit eine Unzahl von Banken ausgeraubt, aber auch nicht wenige Male hinter schwedischen Gardinen gesessen hat, ist eine seiner genialsten Schöpfungen.
 |
|
Rhames und Clooney im vom Staat gesponserten Tenue.
|
LOVE AND A SIG-SAUER
Was bestimmt einer der Hauptgründe ist, weshalb George Clooney eine seiner besten, wenn nicht die beste Vorstellung seiner Karriere gibt. Obwohl Foley im Roman etwas älter ist, kommen sämtliche Züge, die diesen ehrenhaften Kleinkriminellen ausmachen, zur Geltung. Foleys Gegenpart ist Karen Sisco (Jennifer Lopez, die ebenfalls einen Höhepunkt verbuchen darf). Karen ist US-Marshal, und das aus Überzeugung. Eine «toughe», höchst erotische Frau, die sich keine männlichen Machoallüren zugelegt hat, sich jedoch wie ein kleines Kind freut wenn, ihr Vater sie zum Geburtstag mit einer Kanone Marke «Sig-Sauer» überrrascht. Leonards Konstellation ist ebenso reizvoll wie tragisch und Regisseur Steven Soderbergh, dem hier nach einer langen kommerziellen Durststrecke ein perfekter Mix aus Mainstream und anspruchsvoller Unterhaltung gelungen ist, erzählt die ungewöhnliche Romanze (die zwar auch nicht neu ist) mit so vielen menschlichen Zwischentönen, dass man unweigerlich an gewisse Momente seines Art-House-Durchbruchs und Cannes-Gewinners «Sex, Lies and Videotape» erinnert wird.
|
|
| «The Posse is here!»
|
COOLE KOMPLEXIKER
Wo «Das Magazin» des Tages-Anzeiger das «Ende der Coolness» kolumnenhaft verarbeitet und in die achtziger Jahre, in die Zeit von «9 ½ Weeks» und «Top Gun» zurückverbannt, sind Leonards Figuren, und dafür ist Out of Sight ein Paradebeispiel, mit einer angeborenen «Coolnes» gesegnet. Ist dieser Charakterzug meistens nur Schutz, gehört er zu unterschiedlichen Facetten, die in entscheidenden Momente zum Tragen kommen, und damit Soderbergh die Möglichkeit bieten zu beweisen, dass er ein stark Schauspieler-orienterier Regisseur ist, der es versteht aus zwei an sich abgebrühten Menschen unsichere Neurotiker zu schaffen.
Zur Adaption selbst ist eigentlich nur zu sagen, dass es Drehbuchautor Scott Frank («Dead Again») nach «Get Shorty» erneut gemeistert hat, eine von Leonards Geschichten leinwandgerecht umzuarbeiten, und dabei, abgesehen von ein paar kleinen, und absolut cinematischen Änderungen, stellenweise wortwörtlich beim Original geblieben ist. Überhaupt ist Out of Sight ein Prdukt des «Get Shorty»-Teams: «Shorty»-Produzent Danny DeVito und Regisseur Barry Sonnenfeld haben sich hier als Produzenten betätigt und von der Kostümbildnerin bis zu einigen Schauspielern sind wiederum Mitglieder des Erfolgsteams dabei.
« Never change a winning team»; ein Klischee aber eben auch so wahr.
Kinoprogramme
Angaben zum Film
| Titel: | | Out of Sight (1998)
|
| Land: | | USA
|
| Genre: | | Krimi
|
| Bewertung: | |
|
|
|
| Regie: | | Steven Soderbergh
|
| Drehbuch: | | Elmore Leonard Scott Frank
|
| Produktion: | | Danny DeVito Michael Shamberg Stacey Sher
|
| Ausf. Prod.: | | John Hardy (III) Barry Sonnenfeld
|
| Kamera: | | Elliot Davis
|
| Schnitt: | | Anne V. Coates
|
| Ausstattung: | | Gary Frutkoff
|
| Kostüme: | | Betsy Heimann
|
| Besetzung: | | Nancy Allen Scott Allen (II) James Black (II) Albert Brooks Mark Brown (II) Paul Calderon Chuck Castleberry Don Cheadle George Clooney Joe Coyle Chic Daniel Viola Davis Dennis Farina Donna Frenzel Luis Guzmán Wendell B. Harris Jr. Susan Hatfield Joe Hess Stephen M. Horn Keith Hudson Sandra Ives Catherine Keener Keith Loneker Jennifer Lopez Elgin Marlow Brad Martin Betsy Monroe Wayne Pére Ving Rhames Jim Robinson (II) Connie Sawyer Paul Soileau Manny Suarez Isaiah Washington Steve Zahn
|
|
|
| Länge: | | 122 Minuten
|
| Negativ: | | 35 mm
|
| Bild: | | 35 mm (Farbe)
|
| Ton: | | Dolby Digital
|
| Prod.-firma: | | Universal Pictures Jersey Films
|
| CH Verleih: | |
United International Pictures
|
[ Homepage ]
Copyright © 1998 United International Pictures (Bilder)
Copyright © 1996-1997 CineNet (Text)