The Spanish Prisoner (1997)
Mit einem seidenen Tuch über die amerikanische Gesellschaft gestreift.
von Serge Zehnder
David Mamet wird von vielen als bester amerikanischer Autor der Gegenwart bezeichnet. Jedoch haben seine Drehbücher zu Filmen wie «The Edge», «We Are No Angels» oder «Hoffa» diesen Ruf ziemlich relativiert. Zumal es sich dabei um Auftragsarbeiten handelte, was das «Kunst-Kommerz»-Verständnis Mamets klar offenlegte. Er muss halt auch Geld verdienen. Weshalb besitzt er also immer noch diesen Ruf? Aus einem ganz einfachen Grund: Wenn der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Autor und Regisseur sich wieder einmal redlich bemüht, ein Meisterwerk herauskommt, nach dem sich so manch ein anderer Autor die Finger ablecken würde. Mamet ist ein Unikum und noch so viele Fehlschläge können daran etwas ändern.
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| Reichtum und Betrug unter karibischer Sonne.
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VERTRAUEN ZERSTÖRT
Joe Ross (Campbell Scott «Big Night») ist ein junger, intelligenter, vertrauensseliger Erfinder, der für eine Firma einen neuen «Prozess» (was genau enthüllt Mamet nicht) entwickelt. Höchste Geheimhaltung ist bei diesem Projekt geboten, dass den Weltmarkt revolutionieren und sämtliche Beteiligten stinkreich machen soll. Wo viel Geld möglich ist, befinden sich auch viele Menschen, die etwas davon abzweigen wollen. Auf einer traumhaften Karibikinsel trifft Joe den Jetsetter Jimmy (Steve Martin), der sich dank viel Charme und sympathischer Persona mit Joe anfreundet. Jimmy bittet ihn, ein kleines Paket mit nach New York zu nehmen und es dort einer Dame abzugeben. Ohne sich gross darüber zu denken, tut Joe ihm diesen Gefallen, worauf ihn Jimmy, zurück in New York, in seiner unermesslichen Dankbarkeit gross Ausführt und ihm das luxuriöse Leben zeigt, das Joe nach dem Verkauf des neuen «Prozesses» selbst zuteil werden könnte. Eine Hoffnung, die sich jedoch schon bald zerschlägt, da sich Joe inmitten von gierigen, korrupten und äusserst gefährlichen Menschen befindet, von denen er schon bald nicht mehr unterscheiden kann, wer nun gut und wer schlecht ist, nichts ist mehr so, wie es sein sollte.
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Schnell wird die Sekretärin Susan (Rebecca Pidgeon) zu Joe's (Scott) Verbündeter.
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GEFLÜSTERTE KRITIK
Wie ein klassischer Krimi aufgebaut, wo der unschuldige Sympathieträger plötzlich in ein Netz von Betrug und Gier rutscht, platziert Mamet giftige Attacken gegen den «American- Way-of-Life». Wie schon in seinem Glanzwerk «Glengarry Glen Ross» dreht sich auch beim Spanish Prisoner vieles um in den Kapitalismus und welche Schritte man unternehmen muss in der freien Marktwirtschaft zum Erfolg zu kommen. Mamet verzichtet aber darauf die Moral, wie sonst üblich, auf eine theatralische Darbietung. Natürlich steht der Dialog und die Figuren nach wie vor im Zentrum des Geschehens, die ansonsten aber so hochschiessenden Emotionen, die besonders seine Theaterstücke kennzeichneten, sucht man hier vergebens. Selten ging Mamet so feinsinnig mit seinen Angriffen um, wodurch die Wirkung des Films erst beim Verlassen des Kinos richtig einsetzt. The Spanish Prisoner ist nicht mit irgendwelche Proleten aus der Gosse oder wütende angestellten aus der Mittelschicht bevölkert, sondern mit durch und durch freundlichen Leute. Weshalb Mamet auch alle tragenden Rollen mit Schauspielern besetzte, die normalerweise die netten Leute von nebenan mimen. Besonders Steve Martin, der für seine komödiantischen Rollen bekannt ist, hat hier nach lange Zeit wieder eine Figur gefunden, die es ihm erlaubt, zwischen freundschaftlicher Wärme und snobistischer Kälte zu wechseln. Er ist das perfekte Gegenstück zu Scotts Naivling, die dank ihm weitere tragische Züge annnimt. Am auffälligsten ist jedoch Mamet-Lebensgefährtin Rebecca Pidgeon, die als Sekretärin in Joe's Firma viel erotische Unnahbarkeit ausstrahlt, wodurch sie wie alle anderen Figuren konstant ambivalent bleibt.
All dies und noch mehr vernetzt Mamet in seiner Geschichte und versieht sie mit seinem eigenen Rhythmus, der so unwiderstehlich und direkt ist, dass man vor seiner Meisterschaft nur in Staunen versinken kann.
Kinoprogramme
Angaben zum Film
| Titel: | | The Spanish Prisoner (1997)
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| Genre: | | Krimi
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| Regie: | | David Mamet
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| Drehbuch: | | David Mamet
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| Produktion: | | Letty Aronson Jean Doumanian
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| Koproduktion: | | Sarah Green
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| Ausf. Prod.: | | J.E. Beaucaire
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| Kamera: | | Gabriel Beristain
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| Schnitt: | | Barbara Tulliver
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| Musik: | | Carter Burwell
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| Ausstattung: | | Tim Galvin
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| Kostüme: | | Susan Lyall
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| Besetzung: | | Paul Butler (I) Elliot Cuker Paul Dunn III Jim Frangione Richard L. Freidman Ben Gazzara Jeremy Geidt Steven Goldstein Clark Gregg Steven Hawley Hilary Hinckle Felicity Huffman Ricky Jay Gus Johnson (II) J.J. Johnston Christopher Kaldor Carolyn 'Coco' Kallis Mimi Jo Katano Jonathan Katz Jordan Lage G. Roy Levin Tony Mamet Steve Martin Takeo Matsushita Gary McDonald Andrew Murphy (II) Ed O'Neill (I) Neil Pepe Rebecca Pidgeon David Pittu Charlotte Potok Kristin Reddick Michael Robinson (III) Stephanie Ross Campbell Scott Lionel Mark Smith Allen Soule Charles Stransky Olivia Tecosky Harriet Voyt Jack Wallace (I) Emily Weisberg Isiah Whitlock Jr. Seiko Yoshida Scott Zigler
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| Länge: | | 110 Minuten
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| Negativ: | | 35 mm
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| Ton: | | Dolby Digital
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| Prod.-firma: | | Jean Doumanian Productions Sweetland Films
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| CH Verleih: | |
Elite Film
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