Stealing Beauty
Eine 19-jährige Jungfrau aus Amerika verbringt ihre Ferien in der
Toskana und lässt alle nach ihrer "unschuldigen Schönheit"
lechzen.
Die 19-jährige Amerikanerin Lucy (Liv Tyler) verbringt ihre
Sommerferien in der Toskana bei Freunden ihrer Mutter, einer bekannten
Dichterin, die sich umgbracht hat. Ihr Hauptziel ist es, ihren wahren Vater
zu finden, nachdem sie in Tagebucheintragungen ihrer Mutter darauf
gestossen ist, dass sie in der Toskana gezeugt worden ist (unter den
romantischsten Umständen versteht sich; Mutters Liebhaber hat immerhin
eine Schlange mit blossen Händen getötet).
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| Die schöne Lucy
im Kommunen-Pool |
Doch es ist gar nicht einfach für Lucy, sich für einen Vater zu
entscheiden: Wie wild wird auf dem einer Kommune ähnelnden Landgut
geflirtet. Die Alt-68er scheinen in ihren verstaubten Idealen gefangen zu
sein; abgeschlossen von der Realität leben sie ein traumwandlerisches
Leben, das von Kunst und Sex ausgefüllt ist. Bloss die "Hausmutter"
Diana (Sinead Cusack) merkt am Schluss, wie verlogen alles ist; sie
fühlt sich in ihrer Einsamkeit falsch und möchte nach England
zurückkehren.
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| Lucy und ihr
Vertrauter Alex |
Erwachende Sexualität
Doch Bertolucci geht es leider nicht hauptsächlich um Sinnsuche und
Blossstellung der 68er Ideale. Dafür scheint ihm Liv Tyler viel zu
leinwandfüllend zu sein. So schart sich jede und vor allem jeder um
Lucy. Unverdorben ist sie, jung und - für die meisten fast unglaublich
- jungfräulich. Dieser Umstand scheint einen Urinstink in den
Männern zu wecken, und so beginnt das grosse Rennen um die Gunst, der
holde Ritter zu sein, der das Mädchen in die Liebeskunst
einführt. Vor allem Alex (Jeremy Irons), ein an Leukämie
sterbender Schriftsteller, ist von Lucy angezogen. Sie ist ihr letzter
Flirt, doch für Lucy ist Alex vor allem Ansprechpartner, um mehr
über ihre Mutter zu erfahren.
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Die
Toskana sorgt für die schöne Kulisse |
Wie die gesamte Kommune auf Lucys ersten Liebhaber wartet, scheint
Bertolucci auch dem Kinopublikum zu unterstellen, nichts mehr zu
wünschen als endlich Lucys sexuelle Erfüllung zu sehen. Oder
wieso sonst quält er uns am Ende mit einer zunächst für Lucy
schmerzhaften, nach einiger Kamerabewegung dafür umso lustvolleren
Entjungferung? Nun wird auch endgültig klar, worum es in diesem Film
eigentlich geht: das Mysterium der Jungfrau. Sobald Lucy entjungfert und
für die Männer also nicht mehr ein so grosses Geheimnis ist,
fällt auch die toskanische Scheinidylle zusammen. Ein Paar trennt
sich, Diana beschliesst die Heimreise und Alex muss ins Spital eingeliefert
werden. Wir sind jedoch in den zwei Stunden zu Voyeuren degradiert worden,
bloss weil Bertolucci (in seiner Midlife-Crisis?) übermässiges
Gefallen an einer jungen Schönheit, an Liv Tyler, gefunden hat.
Flavia Giorgetta
Angaben zum Film
- Titel: Stealing Beauty
- Bewertung: ***..
- Länge: 115 Minuten
- Regie: Bernardo Bertolucci
- Drehbuch: Susan Minot (Story: B. Bertolucci)
- Produktion: Jeremy Thomas, Chris Auty (Co-)
- Kamera: Darius Khondji
- Musik: Richard Hartley
- Besetzung:
- Liv Tyler
- Jeremy Irons (Kafka, Damage, Waterland)
- Sinead Cusack (The Cement Garden)
- Donal McCann
- Technik: 1:1.85, Dolby Stereo
- Verleih: Monopole Pathé
Weitere Informationen gibt es hier.
Copyright © 1996 Monopole Pathé Films (Bilder)
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