The Thin Red Line (1998)
Die rote Linie ohne den selbigen Faden.
von Serge Zehnder
Er gehörte schon zu den Legenden Hollywoods. Terrence Malick, der nach nur zwei Filmen sich aus eigenem Interesse aus dem Filmgeschäft zurückzog und so gut wie von der Erdoberfläche verschwand. Nach zwei von der Kritik hochgeachteten aber geflopten Filmen, «Badlands» (mit den damals unbekannten Stars Martin Sheen und Sissy Spacek) und «Days of Heaven» (mit dem damals unbekannten Richard Gere), kehrte er vor zwanzig Jahren dem Geschäft seinen Rücken und ward nicht mehr gesehen. Die Gründe für sein verschwinden sind so vielzählig wie die Theorien über das Kennedy-Attentat oder die Ufos von Roswell. So eigenwillig und poetisch wie seine Filme wurde auch der Macher selbst. Jetzt, nach dieser sogar für jemanden wie Stanley Kubrick überlangen Arbeitspause, kehrt Malick mit einem Kriegsdrama zurück, das alles ist, was man erhofft und befürchtet hat.
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| Unterfordert: Sean Penn
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MINE(N)GESANG VOM STERBEN
Angesiedelt im Zweiten Weltkrieg auf der Insel Guadalcanal basiert The Thin Red Line auf dem Roman von James Jones Malick schickt eine Kompanie von Soldaten einen Hügel hinauf, der, und das ist historisch verbürgt, für die Amerikaner zu einem entscheidenden Sieg gegen das japanische Kaiserreich wurde, und ihnen den Weg für ihr späteres «Island-Hopping» ermöglichte.
Invasionen? «Saving Private Ryan» in den Tropen? Jeder, der sich einen von Malick's Filmen zu Gemüte geführt hat, weiss, dass hier keine gängige Erzählweise zu erwarten ist, sondern ein bildstarkes Panorama von Atmosphäre und naturalistischen Impressionen. Poesie auf Zelluloid. Die Dichter sind Soldaten, Offiziere und Generäle, die vom Regisseur in einer paradiesischen Umgebung die Hölle durchleben. Ohne klare Struktur und mit hohen Ansprüchen an das Publikum lassen sich aus der Vielzahl von Militärs, die von solch ranghaften Namen wie Nick Nolte, Sean Penn, John Travolta, Woody Harrelson und George Clooney gespielt werden, zwei Hauptfiguren herauskristallisieren. Private Bell (Ben Chaplin) und Private Witt (James Caviezel), deren Gedanken und Leben zusehends in den Vordergrund driften. Der grosse prozentuale Anteil, den Caviezels und Chaplin's Rollen besitzen, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch sie nur Steinchen in Malick's Getriebe sind, dessen höchst ambitionierte Idee es war, den von Jones im Roman beschriebenen Einheitsglaube von hunderten von Soldaten zu einem grossen Ganzen, einem einzigen Wesen zusammenzuformen. Eine gottgleiche Kreation auf dem Feld des Todes. Filmisch versuchte Malick dies anhand von Erzählstimmen zu verdeutlichen, die nicht wie sonst dann wenn die dazugehörende Figur im Bild ist, sondern oft absolut wahllos ertönen.
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Auch John Cusack (mitte) ging für Terry Malick ins Dickicht.
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DIE DISTANZ ZUM VERSTAND
Wer entscheidet ob man lebt oder stirbt? Hat man mit dem Töten eines Menschen in einer Kriegssituation das letzte Tabu gebrochen? Gibt es in dieser Welt des Wahnsinns einen besseren Ort? Esoterik und Mystik im Doppelpaket, bar jeglichen rationalen Denkens und extrem unglaubwürdig wenn man bedenkt, dass es sich hier um simple Menschen aus dem Mittleren Westen Amerikas halten, die als Poeten über Schlachtfelder wandeln. Fotografisch ein absolutes Meisterstück, etwas Anderes hätte man von «Braveheart»-Linsenmeister John Toll auch nicht erwartet, begeht Malick neben einer etwas sinnlosen Verschwendung von schauspielerischen Talent (Nolte und besonders Penn sind klar unterfordert und Clooney tritt gerade mal neunzig Sekunden auf) den Hauptfehler, von einem komplexen Kunstfilm einen grossen Anteil von Zuschauern zu erreichen. Die versucht er in dem er seine Gedanken sowohl visuell wie auch verbal formuliert, was dazu führt, dass der Film unausweichlich langfädig wird und so neben der ohnehin nicht vorhandenen Struktur noch zu langeweilen beginnt.
Respekt vor dem grossen Unterfangen muss man dem Schöpfer dennoch zollen. Als Ergänzung zu Spielbergs Drama funktioniert The Thin Red Line perfekt. Als poetische Reflexion über ein Thema, das so gar nichts Poetisches an sich hat, ist er dann aber doch zu wenig abgehoben.
Kinoprogramme
Angaben zum Film
| Titel: | | The Thin Red Line (1998)
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| Land: | | USA
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| Genre: | | Drama
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| Regie: | | Terrence Malick
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| Drehbuch: | | James Jones (I) Terrence Malick
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| Produktion: | | Robert Michael Geisler Grant Hill Sheila Davis Lawrence John Roberdeau
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| Ausf. Prod.: | | George Stevens Jr.
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| Kamera: | | John Toll
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| Schnitt: | | Leslie Jones (I) Saar Klein Billy Weber
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| Musik: | | Hans Zimmer
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| Ausstattung: | | Jack Fisk
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| Kostüme: | | Margot Wilson
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| Besetzung: | | Penelope Allen Mark Boone Jr. Adrien Brody Ben Chaplin George Clooney John Cusack Travis Fine Paul Gleason (I) Woody Harrelson Thomas Jane Elias Koteas Jared Leto Donal Logue Tim Blake Nelson Larry Neuhaus Nick Nolte Sean Penn Jace Phillips John C. Reilly Sam Rockwell John Savage Nick Stahl Hiroya Sugisaki John Travolta Steven Vidler Todd Wallace
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| Länge: | | 170 Minuten
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| Negativ: | | 35 mm
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| Bild: | | 35 mm Scope (Farbe)
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| Ton: | | Dolby Digital
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| Prod.-firma: | | Geisler-Roberdeau Fox 2000 Pictures Phoenix Pictures
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| CH Verleih: | |
20th Century Fox
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